Mark Seibert – Eine Stimme zwischen Leben und Tod
Mark Seibert wurde am 9. April 1979 in Frankfurt am Main geboren. Sein Weg zur Bühne begann schon in der Schulzeit mit dem Tanzen und setzte sich in Wien fort – zunächst an der Musikhochschule Wien, dann am Konservatorium Wien, das er 2005 abschloss. Parallel dazu – und das ist ein bezeichnendes Detail seiner Persönlichkeit – erwarb er einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre im Fernstudium. Diese Zweigleisigkeit zwischen Kunst und Struktur, zwischen Gefühl und Kalkül, ist später in jeder seiner Rollen spürbar.
Seine Bühnenkarriere begann 2004 am Raimundtheater in Wien – mit der Rolle des Engels Pygar in Barbarella. Es folgten Tybalt in Romeo & Julia (2005–2006), Radames in Aida (2006–2007) und Fiyero in Wicked in Stuttgart (2007–2008) – jedes Mal eine neue Qualität, eine neue Tiefe. In den Jahren 2010–2011 spielte er den Galileo in We Will Rock You und zeigte damit seine Fähigkeit, zwischen völlig unterschiedlichen musikalischen Welten zu wechseln.
Elisabeth: Begegnung mit dem Tod
Den eigentlichen Wendepunkt brachte die Rolle des Tod im Musical Elisabeth das Musical.
Diese Figur ist bei Seibert kein klassisches Symbol des Endes. Sein Tod zieht an, anstatt zu erschrecken. Er ist magnetisch, beinahe zärtlich – und genau in dieser Ambivalenz liegt das ganze Ausmaß seines Talents. Er spielt keinen Antagonisten. Er spielt die Unvermeidlichkeit, der man begegnen möchte.
Die erste große Tournee mit Elisabeth dauerte von 2011 bis 2014 – durch Deutschland und die Schweiz, und parallel dazu war er 2012 direkt am Raimundtheater in Wien zu erleben. 2014 kehrte ihm die Rolle des Tod erneut zurück: Produktionen in Shanghai, Essen und München. Jedes Mal dieselbe Figur, aber bereichert um neue Erfahrungen.
In den Jahren 2019, 2022 und 2023 trat er erneut in dieser Rolle auf – diesmal im Format Elisabeth in Concert unter freiem Himmel im Schlosspark Schönbrunn in Wien. Es liegt etwas symbolisch Treffendes darin, dass der Tod dem Publikum unter dem offenen Himmel begegnet, in den Mauern des kaiserlichen Palastes, wo einst die echte Sisi gelebt hat.
In all dieser Zeit wurde er zu einem der bedeutendsten Interpreten des Tod im 21. Jahrhundert – einem Künstler, dessen Deutung dieser Figur bereits Teil der Geschichte des Musicals ist.
Nach dem Tod – neue Rollen
Mark Seibert blieb jedoch nie bei einem einzigen Bild stehen. 2016 spielte er den Grafen von Krolock in Tanz der Vampire in Berlin – abermals eine Figur an der Grenze zwischen Licht und Dunkel, abermals eine Rolle, in der seine Bühnenpräsenz beinahe körperlich spürbar wird. Im selben Jahr folgte die Uraufführung des Musicals Schikaneder am Raimundtheater, in der er die Titelrolle übernahm.
Von 2022 bis 2024 spielte er Maxim de Winter in Rebecca am Raimundtheater – eine komplexe, zurückhaltende Figur voller verborgener Spannung. 2024 folgte die Rolle des Professor Henry Higgins in My Fair Lady bei den Seefestspielen Mörbisch, an der Seite von Anna Rosa Döller als Eliza.
Das Jahr 2025 brachte gleich mehrere Premieren: Vince Fontaine und Teen Angel in Grease – Das Musical am Theater Dortmund, die Rolle des Zauberers von Oz in Wicked an der Bühne Baden sowie Anatoly Sergievsky in Chess – ebenfalls an der Bühne Baden. Diese Produktionen sind stilistisch und in ihrer Tonlage sehr verschieden, und jede zeigt eine neue Facette desselben Künstlers.
Seibert Visions: Kunst als Organisation
Ein eigener und zunehmend wichtiger Teil seiner Tätigkeit ist die Arbeit als Konzertveranstalter und Artistic Director. Unter dem Label Seibert Visions entwickelt und realisiert er Konzerte in den unterschiedlichsten Formaten – vom kleinen Soloabend mit Klavierbegleitung bis hin zu großen Musical Allstars Konzerten mit Orchester und bis zu 3.500 Zuschauern.
Zu den Projekten zählen die Große Weihnachtsgala der Musicalstars in München, Wien und Graz, Tonight in der Stadthalle Wien, Musicalstars im Park im Theater im Park sowie ein Solokonzert in der Shanghai Culture Square im Jahr 2025. Für 2026 sind Leading Men in der Stadthalle Wien und eine Reihe von Musical Moments – Theater im Park geplant. Er kuratiert auch Solokonzerte anderer Künstlerinnen – darunter Annemieke van Dam und Nienke Latten – und organisiert Meisterkurse, etwa mit Willemijn Verkaik.
Das ist jener Bereich, in dem wirtschaftliche Ausbildung und künstlerische Intuition endlich in einem Punkt zusammenfinden.
Das Wesentliche
Mark Seibert ist eine Präsenz, die man spürt, noch bevor er zu singen beginnt. Seine Stimme verbindet klassische Ausbildung mit moderner Ausdruckskraft, seine Rollen sind stets an der Grenze zwischen Kontrolle und vollständiger Hingabe an die Figur.
Aber wenn man nach dem einen Bild sucht, das ihn als Künstler am treffendsten beschreibt – dann ist es zweifellos der Tod in Elisabeth. Ein Tod, der nicht nimmt, sondern anzieht. Eine Stimme, die die Ewigkeit berührt – und im Gedächtnis bleibt.